Foto: Maurizio Oviglia

die schwerste Tour Sardiniens...

Una piu del diavolo, 8c+/9a


...so der Name der neuesten Route von Arthur Kubista im Sportklettermekka Sardinien, was soviel heißt wie "mit allen Wassern gewaschen" oder "von allem etwas - und noch ein bißchen mehr..."

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Arthur Kubista und Sardinien
Es ist Arthurs 7 te Route im 11. Grad. Seine beiden anderen Inselhighlights befinden sich in Isili. "Raga, 8c" und "Fantasia e verità nel Tanca Farrà, 8c" sind trotz der Versuche klingender Namen seit 1998 noch ohne Wiederholung. Erst vor kurzem versuchte sich mit S. Scassa immerhin der Autor der ersten italienischen 8c+ "Noia" erfolgsgewohnt an dem Testpiece - und war etwas verblüfft ...

Auf Sardinien hat der Wiener zweifellos Sportklettergeschichte geschrieben:

Hier eine Liste der TOP 10 in Sardinien

Name Grad Gebiet 1. rotpunkt 1. Wh
Una piu del diavolo 8c+/9a Quirra A.Kubista, 1/2002  
Fantasia e verità... 8c Isili, Urania A.Kubista, 4/1998  
Raga 8c Isili, Urania A.Kubista, 4/1998  
Incubi sta volta 8b+ Tana delle Tigri (Domusnovas) A.Kubista, 2/1999  
Le lion du Panshir 8b+ Biddiriscottai (Cala Gonone) Y.Guesquiers, 2001  
Kaum Zeit zu träumen 8b Fuili
(Cala Gonone)
A.Kubista, 1/1995 G.Garippa 99
Ukulele 8b Isili, Urania A.Kubista, 4/1998 S.Scassa 01
Il tiranno die mondi 8b Tana delle Tigri (Domusnovas) A.Kubista, 1/1999  
Viribus Unitis 8b Quirra A.Kubista, 2/2001  
Anime Salve 8b Fuili
(Cala Gonone)
G.Garippa, 2000  
Il Cuorefreddo 8a+ Fuili
(Cala Gonone)
A.Kubista, 1/1995 Manolo 99 OS

Allein in Quirra warten mit "Hells bells,8a+" (Dynamo, Ausdauer) und "Il funambolo, 8a+" (Riß, Ausdauer), noch 2 Traumtouren auf Wiederholer....

Arthur Kubista läßt seit etlichen Jahren immer wieder mit nationalen und europäischen Highlights von sich hören: War es 1996 mit dem ersten 8c in Ostösterreich (Peilstein), so folgten 1998
mit "A chiamato Kubista, 8b/+" auf den Cinque Torri (Cortina) und 1999 zwei international beachtete Erfolge mit "Guère d'usure,8c" (Claret) und "Invidia, 8b+/c" in Sperlonga.
Die Toproute von Claret konnte trotz vieler Versuche erst kürzlich, knapp 3 Jahre nach Arthurs Erstbegehung ihre erste französische Wiederholung durch F.Tournois erfahren.
Mitte 2000 gelang ihm die Eröffnung der "Äolsharfen, 8c/c+" am Thalhofergrat, ein Ausdauergerät internationaler Dimension, bislang ohne Wiederholung und zuletzt mit "Una piu del diavolo" ein touch des französichen Grades 9a, wahrscheinlich als zweitem Österreicher nach Klem Loskot.

Die unterschiedlichen Kletterstile der beiden waren auch beim Eröffnungsevent des Edelweiss-Centers, der größten Boulderhalle Österreichs im November 01 sehr schön zu sehen: Hier der präzise, ultraschnellkräftige "Weißfleischer" Klem, dort der kraftsparende und ausdauerbetonte Technikfreak Arthur. Gemeinsam haben die beiden allerdings ihre Vorbehalte gegen Kletterwettkämpfe.

Info zum Edelweiss-Center

Betreute Kurse und Trainingslager mit Arthur Kubista



Bericht über die schwerste Tour Sardiniens...

Una piu del diavolo, 8c+/9a


...so der Name der neuesten Route von Arthur Kubista im Sportklettermekka Sardinien, was soviel heißt wie "mit allen Wassern gewaschen" oder "von allem etwas - und noch ein bißchen mehr..."

Wie von Arthur zu erfahren war, bezieht sich der Name auf den extremen Abwechslungreichtum der 38m-Tour in einer Grotte im Neugbiet Quirra an der Ostküste: Überhang, Quergang, Sinter, Löcher, Leisten ... di tutto un po!... an ausschließlich natürlichen Griffen!! Zunächst ist ein "henkeliger Zustieg" aus dem Grotteninneren im Grad 7c (9-) hin zu einer 4-move Boulderstelle zu absolvieren, deren Schwierigkeit etwa im Grad 8a bloc/Fb anzusiedeln sein dürfte und mit zwei extremen Einfingerlochzügen aufwartet. Für die hohe Fingerbelastung hat sich Arthur daheim speziell vorbereiten können, nachdem er die Superlinie bereits im Februar 2001 eingebohrt und 2 Tage lang probiert hatte. (Also ein neues Testpiece für Alpin-Allrounder !!)

Unmittelbar danach folgt ein generöser Raster allerdings mit schlechten Tritten... also schnell weiter in die luf/stige Traverse oberhalb des Höhlendaches, die technisch wertvoll an bleau-artigen Auflegern (die versinterte Kalkwand ist an dieser Stelle von einer Sandsteinsedimentschicht durchzogen) bereits zum nächsten wenig erholsamen Rastpunkt vor der 2.Schlüsselpassage führt (Grad 7c+). 2 weite Spannzüge ermöglichen es dann, eine angedeutete Sintersäule anzusteuern, die aus einer Linie "Karfiolröschen" besteht, die aus der immer noch 30 Grad hängenden Platte mäßig üppig wuchern. Hier wird nocheinmal der Grad 8a/+ an kleinen Leisten und Zangen gefordert ehe die letzten Meter in Superfels etwa im 7a zur Kette führen. Aber wie Silvio Piras, der Hausherr von Quirra und Haupterschließer meinte: "...der Zustieg zu dieser letzten Genußlänge wäre halt etwas mühsam ..."

Ein guter Vergleich der Aufteilung der Schwierigkeiten ergiebt sich für Arthur mit der Köstermeier-Route "Shan-gri-la, 8c+" im Frankenjura, deren Gesamtbelastung, bei einer ähnlichen Boulderstelle (8a Fb) markant unter jener von "Una pui del diavolo" bleibt. Befragt nach einem Vergleich mit seiner bisher schwierigsten Route "Äolsharfen, 8c/+" am Thalhofergrat, meint Arthur, daß die Intensität der Einzelpassage in der neuen Route viel höher, der Ausdaueranspruch aber fast unter dem der Wiener Toproute liege.

O-Ton Arthur: "Ich habe gesagt, wenn ich einmal die Teufels-fingerlöcher ohne vorheriges Rasten im Seil ziehe, dann laß' ich oben nimmer los! Was für ein Irrtum: 3 mal haben mich die Karfiol-griffchen oben noch abgeworfen - und auf ein neues mußten die zerschundenen Finger in die Löcher fummeln ..."

Dennoch: nicht ganz 2 Wochen Training in der Route, 6 ernstzunehmende Versuche und besonders eine mit endloser Geduld sichernde Freundin Beate - von den Locals liebevoll Bea gerufen - reichten dann doch zum Durchstieg, mehr hätte die immer wieder zeitraubende Heilung der Fingerhaut nicht zugelassen. Schon am nächsten Tag erscheint der Kletterdoyen der Insel Maurizio Oviglia, Profifotograf, Führerautor und -unzähliger Artikel in der internationalen Kletter-und Bergsportpresse, schießt Fotos und jagt sie übers weltumspannende Net...
Mit einem Bewertungsvorschlag von 8c+/9a (11) rangiert die Tour als schwerste der Insel aber zusammen mit wenigen anderen gleich bewerteten auch als schwierigte Italiens. Dabei betont Arthur, daß er aus Respekt vor dem Stolz der Italiener, mit denen ihn viele persönliche Freundschaften und Erinnerungen verbinden, nicht den ersten italienischen reinen 9a reklamieren wollte, auch weil ihm dazu seine Vergleichsmöglichkeiten zu wenig erscheinen. Weltweit existieren etwas mehr als 20 Routen in dieser Schwierigkeit.

Links:
sardiniaclimb.com
pietresupietre.net
go-mountain.com
8a.nu

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